"wir haben uns selbst geschlagen"

von Roger Züger

Raphael Rink und die Red Devils konnten die Tessiner in den Play-outs nicht stoppen. // Bild Pascal Müller

Nach der 2:6-Auswärts- und der 4:6-Heimniederlage gegen Ticino stehen die Red Devils in den Auf-/Abstiegsspielen. Für Trainer Franz Steinauer ist die Play-out-Niederlage hausgemacht.


von Roger Züger, Sportredaktion March-Anzeiger und Höfner Volksblatt


Sonntagabend, 22 Uhr, Mehrzweckhalle Altendorf. Ein enttäuschter und sichtlich mitgenommener Franz Steinauer bedankt sich nach der 4:6-Niederlage und der verlorenen Play-out-Serie gegen Ticino bei den Schiedsrichtern für die Partie. Paradoxerweise waren es genau jene Schiedsrichter, die das vierte Spiel dreieinhalb Minuten vor Schluss entschieden hatten – und damit die Serie zugunsten Ticinos beendeten. Was war passiert? In einer von beiden Seiten hart geführten Partie und bei Spielstand 4:4 (das Worst-Case-Szenario für jeden Schiedsrichter) kassierten die Red Devils eine Zweiminutenstrafe wegen Stockschlags in der Mittelzone. Ein Foulspiel, das es bis zu diesem Zeitpunkt von beiden Seiten dutzende Male begangen wurde, ohne aber geahndet zu werden. Das ungeschriebene Gesetz – in den entscheidenden Momenten weiterlaufen zu lassen – stand bei den Unparteiischen aber nicht auf der Tagesordnung. Der schwedische Starspieler Mikael Karlsson (59 Skorerpunkte in der Qualifikation) nahm das Geschenk dankend an und schoss seine Farben mit seinem dritten Treffer des Abends in Überzahl zum Sieg. «Sagen wir es so: Der Pfiff entschied die Partie. Aber die 1:3-Niederlage der Serie haben wir uns selbst zuzuschreiben», resümiert Steinauer gestern.


Steinauer war es auch, der seine Spieler vor den Play-outs noch gewarnt hatte, sich nicht auf die emotionale Spielweise der Tessiner einzulassen. «Springt der Funke über, explodiert unsere Mannschaft.» Nun muss ernüchternd festgehalten werden: Die mahnenden Worte Steinauers haben das Team nicht erreicht. Zu viele (unnötige) Strafen kassierten die Roten Teufel über die gesamte Serie. «Wir hätten die Serie gewonnen, wenn wir unsere Emotionen im Griff gehabt hätten», so Steinauer. Hätten. Aber die Schwyzer kassierten in vier Partien 68 Strafminuten; 57 davon von den Stürmern verursacht. «Ich hab es einmal gesagt, ein zweites Mal, immer wieder … Aber jedes Team entwickelt im Spiel eine Eigendynamik, auf die du als Trainer fast keinen Einfluss mehr hast. Ein einzelner Spieler kann dein Konzept mit einer dummen Aktion über den Haufen werfen», spricht Steinauer Klartext. Die Eigendynamik der Devils war, trotz Wille und Kampfgeist, negativ. Am Ende steht die fehlende Balance zwischen aggressivem Agieren und cleverer Spielweise am Ursprung der Play-out-Niederlage. Dabei führten die Gastgeber am Sonntagabend noch 4:1.

 

Matthias Mäder hielt seine Farben mit unzähligen Big-Saves lange in Front. // Bild Pascal Müller

Überragender Matthias Mäder
Die 1:0-Führung hatten aber auch im vierten Spiel die Tessiner erzielt – in Überzahl, was sonst. Torschütze: Mikael Karlsson, wer sonst. Im Anschluss waren es aber die Red Devils, die in einer von Emotionen geladenen Mehrzweckhalle die Tore schossen. 250 Zuschauer tobten, als Marco Gwerder direkt von der Strafbank kam und mit einem Sololauf zur 3:1-Führung einnetzte, nachdem ihm Torhüter Matthias Mäder den Ball über das ganze Spielfeld vor die Schaufel gelegt hatte (20). Zuvor hatte Roman Schnyder mit seinen zwei Toren für den Ausgleich und die erstmalige Führung gesorgt (8./13.). Die Führung war fast schmeichelhaft – und war Mäder zu verdanken. Der Schlussmann trumpfte auf magistrale Art und Weise auf, parierte in Unterzahl gleich mehrere, vermeintlich unhaltbare Schüsse und ebnete seinem Team den Weg zum Sieg. So weit kam es allerdings nicht. Zwar erhöhte U21-Junior Joël Meier im Powerplay auf 4:1, danach war aber Schluss. Den Anschlusstreffer erzielten die Gäste in Überzahl (35.), weil die Devils sich eine «dämliche», wie Steinauer sagt, Fünfminutenstrafe eingefangen hatten. Und als kurz nach Wiederanpfiff der Ausgleich fiel (42.), war die turbulente Schlussphase lanciert.

Goalgetter Marco Gwerder brachte mit seinem Treffer, nachdem er direkt von der Strafbank gekommen war, die Halle zum Kochen. // Bild Pascal Müller

«Die Mannschaft hat NLB-Potenzial»
Weil die Schwyzer am Samstag in Bellinzona 2:6 verloren hatten (trotz 68:47-Schussverhältnis zugunsten der Devils), ist die Serie beendet (1:3). Nun müssen die Devils in die Relegation und ihren NLB-Platz gegen einen Erstligisten verteidigen. Bereits 2012 traf dieser Fall ein, als sie in den NLB-Play-outs gegen Ticino verloren hatten und im Anschluss gegen Davos-Klosters abgestiegen waren. Keine guten Vorzeichen also. Dennoch ist Steinauer überzeugt: «Wir haben das Potenzial für die NLB. Ich glaube an die Mannschaft. Jetzt sind die Spieler an der Reihe …» Auf wen die Roten Teufel treffen werden, wird zurzeit noch in den beiden Play-off-Finals der 1. Liga (West und Ost; Schüpbach gegen Luzern; Limmattal gegen Bülach) ermittelt. Die Auf-/Abstiegsspiele (Best of 5) starten für die Red Devils ­am 25./26. März mit einer Auswärtspartie.

Ticino – Red Devils 6:2 (2:0, 2:1, 2:1)
Bellinzona. 196 Zuschauer. – SR: Schuler/Sprecher.
Tore: 3. Thurén (Schneeberger) 1:0. 13. Valsesia (Karlsson) 2:0. 28. Thurén (Vapaniemi) 3:0. 32. Valsesia 4:0. 35. Lopez (Bamert) 4:1. 51. Thurén (Karlsson) 5:1. 51. Villat (Schneeberger) 6:1. 55. Meier 6:2.
Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Ticino. 5-mal 2 Minuten plus 1-mal 5 Minuten (Lopez) gegen Red Devils.
Red Devils: Mäder, Fleischmann; Lopez, Ruoss; Forrer, Bamert, Gwerder; Berzel, Houra; van Welie, Schnyder, Moser; Wildhaber, Rink, Romer;  Marty, Eggler, Bisig, Meier
Ticino: Balemi, Pitozzi; Boggia, Valsesia, Schwender, Schneeberger, Gazzaniga, Vapaniemi, Villat, Canevascini, Tomatis, Karlsson, Biffi, Isabella, Thuren, Nadir Monighetti, Demis Monighetti, Zanchi
Bemerkungen: Red Devils ohne Ramseyer, Winteler und Laib (überzählig), Vogt (abwesend), Schmid und Engeli (krank).

Red Devils – Ticino 4:6 (3:1, 1:2, 0:3)
MZH Altendorf. 198 Zuschauer. – SR: Brunner/Büschlen.
Tore: 3. Karlsson (Valsesia ) 0:1. 8. Schnyder (Moser) 1:1.
13. Schnyder 2:1. 20. Gwerder (Mäder) 3:1. 28. Meier (Bamert) 4:1. 31. Karlsson (Valsesia ) 4:2. 36. Villat (Schneeberger) 4:3. 42. Biffi (Karlsson) 4:4. 58. Karlsson (Valsesia ) 4:5. 59. Villat (Eigentor) 4:6.
Strafen: 6-mal 2 Minuten plus 1-mal 5 Minuten (van Welie) gegen Red Devils. 3-mal 2 Minuten gegen Ticino.
Red Devils: Mäder, Fleischmann; Lopez, Ruoss; Forrer, Bamert, Gwerder; Berzel, Houra; van Welie, Schnyder, Moser; Wildhaber, Rink, Romer; Marty, Engeli, Eggler, Bisig, Meier
Ticino: Balemi, Pitozzi; Boggia, Valsesia, Schwender, Schneeberger, Gazzaniga, Vapaniemi, Villat, Canevascini, Tomatis, Karlsson, Biffi, Isabella, Thuren, Nadir Monighetti, Demis Monighetti, Zanchi
Bemerkungen: Red Devils ohne Ramseyer, Winteler und Laib (überzählig), Vogt (abwesend), Schmid (krank). – 17. Minute: van Welie verschiesst Penalty.

Zurück