Saisonstart geglückt

Trotz Abwesenheit von hochkarätigen Teammitgliedern konnte das frisch gegründete Kleinfeld-Team mit dem Punktemaximum im Sack von der ersten Meisterschaftsrunde zurückkehren.

von Simon Rüttimann

Da war man nun: In der tiefsten Provinz der Schweizer Unihockeyszene. In der temporären Halle in Uster fanden sich die Devils-Akteure zur ersten Meisterschaftsrunde ein. Altendorf Torhüter-Legende Andy Locher gab kurz nach Ankunft folgendes zu Protokoll: „Ich bin schon ein wenig schockiert!“ Ob es an den Garderoben, welche aus Baucontainern bestanden, oder an der Bienenhaus-Stimmung (gleichzeitig fand noch eine Juniorenrunde statt) lag, konnte nicht herausgefunden werden.

Die roten Teufel, welche mit zwei kompletten Linien und zwei Torhütern angereist sind, bereiteten sich intensiv und seriös auf die Partie vor. Wenn man in die Gesichter blickte, konnte man eine gewisse Nervosität und Anspannung erkennen. Kein Wunder, war es doch für einige das erste Pflichtspiel seit Jahren, für andere war es nach mehr als 15 Jahren Abwesenheit wieder eine Rückkehr auf das Kleinfeld.

Der erste Gegner waren die Lokomotiven aus Stäfa. Nach rund 10 Sekunden konnten die Devils nach einer einstudierten Freistoss-Variante mit 1:0 in Führung gehen. Der frühe Führungstreffer vermochte die Nerven jedoch nicht zu beruhigen. Im Gegenteil, kurze Zeit später war man bereits mit einem Tor in Rückstand. Das Score wechselte sich dann in der Folge immer wieder ab und die Unsrigen konnten mit einer 4:3-Führung in die Pause.

Da kurz vor der Unterbrechung noch eine Strafe gegen Stäfa ausgesprochen wurde, überlegte man sich bei den Devils, ob man eine Powerplay-Formation aufs Feld schicken wolle. Nach einer demokratischen Abstimmung war man dafür. Obwohl man im Training noch keine Zeit fand, das Powerplay spezifisch zu üben, konnten nach 13 Sekunden nach einer herrlichen Passstafette die erstmalige 2-Tore Führung erzielt werden. Nachdem die zweite Linie nun endlich auch ihr Visier justiert hatten, konnte der Zwischenstand auf 6:3 erhöht werden. Die Teufel verpassten es jedoch in der Folge konsequent weiterzuspielen. Stäfa, welches nun nur noch mit einem Tor in Rückstand lag, drückte in der Schlussphase nun vehement auf den Ausgleichstreffer. Jedoch liessen die Märchler den Ball routiniert und abgeklärt in den eigenen Reihen laufen und brachten somit den Vorsprung über die Zeit und siegten zum Schluss mit 7:6.

Ein erleichtertes Lächeln konnte man in der Pause vor dem zweiten Spiel in den Gesichtern der Akteure erkennen. Der Auftakt ist geglückt. Professionell verpflegte man sich mit Bananen, Äpfeln, Riegeln und isotonischen Getränke und bereitete sich auf die zweite Partie des Tages vor. Für einige war auch das wiederum ein Novum. Zwei Spiele an einem Tag, huch…

Szenen wie im alten Rom

Mit den Wadin Knights Wädenswil standen den Devils ein rund 12-köpfiges Kader gegenüber. Wiederum konnte man das Score eröffnen, eine Zeigerumdrehung später stand es aber bereits wieder 1:1. Was nun folgte war Powerunihockey vom feinsten. Nach drei gespielten Minuten und einem 1:5-Rückstand sahen sich die Verantwortlichen von Wädi zu einem Time-Out genötigt. Geschickt gemacht. Denn durch den Unterbruch kamen die Devils aus dem Rhythmus und die Ritter aus Wädenswil konnten in der Folge zwei Tore erzielen. Jedoch wurde der Tritt schnell wieder gefunden und die Teufel spielten ihr schnörkelloses Spiel weiter. Emre Kizkin fiel jedoch noch während der ersten Halbzeit verletzungsbedingt aus. Dank dem intensiven (individuellen) Sommertraining konnten die roten Teufel aber auch zu Fünft ihr Spiel weiterziehen. Dank einigen Big Saves von Altmeister Locher (inklusive „Aaah“- und „Uuuh“-Geräuschen), konnte man mit einer komfortablen 9:4-Führung zum Pausentee.

Wiederum gemeinsam heckte man den Schlachtplan für die zweite Hälfte aus. Aufgrund des dezimierten Kaders hat man sich entschieden, die Kräfte einzuteilen und mit Kontern Nadelstiche zu setzen. Dies klappte auch ganz gut, lag man ja rund fünf Minuten vor Schluss 14:8 in Führung. Die Wädenswiler setzten nun alles auf eine Karte und ersetzen den Torhüter immer wieder mal durch einen vierten Feldspieler. Was nun folgte war an Slapstick kaum zu überbieten. Nach einem Abpraller bei Torhüter Oberholzer flog der Ball in hohem Bogen gerade über dem Tor. Ein Wädi-Spieler spielte danach den Ball auf einer gefühlten Höhe von 1.80 Meter und nach der Faust-Abwehr von Oberholzer flog der Ball nochmals in hohem Bogen über dem Devils Tor. Stefan Bissig dachte sich wohl, dass die da in Bern während seiner Abwesenheit die Regeln geändert hätten und spielte darauf hin den Ball ebenfalls auf Kopfhöhe. Dem Unparteiischen wurde es nun aber zu bunt und schickte Bissig für zwei Minuten zum Regelstudium in die Kühlbox. Wädi liess sich nicht lange bitten und erzielte in der 4-gegen-2-Situation den neunten Treffer. Der erfahren Schiedsrichter (18 Jahre) im Devils-Tor, Oberholzer, wollte dem aktuelle Spielleiter noch einige Tipps mit auf den Weg geben. Dieser wiederum hatte kein Gehör dafür und sprach eine Zweiminutenstrafe gegen den Torwart wegen Reklamierens aus. Das Powerplay-Goal und der kurz vor Spielschluss erzielte elfte Treffer des Gegners waren dann jedoch nur noch Resultatkosmetik. Die Devils siegten im zweiten Spiel verdient 14:11.

"Ich hoffe, ich kann an den Trainings teilnehmen"

Tagescaptain Cornel Bruhin (das ehrenvolle Amt des Spielführers wird jeweils vor der Meisterschaftsrunde mit einer Zeremonie ausgelost, der sogenannte Captain-of-the-day-Wahl) meinte nach den zwei Auftaktspielen: „Nach anfänglichen Startschwierigkeiten sind wir jeweils gut in die Partien gekommen und konnten den Spielen unseren Stempel aufdrücken. Die vier gewonnen Punkte sind sicher sehr schön, jedoch haben wir damit noch nichts erreicht. Hauptaugenmerk müssen wir nun wieder auf die bevorstehenden Trainings legen und diese weiterhin mit der gleichen Intensität wie bis anhin absolvieren. Ich hoffe das ich an diesen Training ebenfalls teilnehmen kann, denn oberste Priorität hat nun für mich, ein geeignetes Prozedere für die Captain of the Day-Wahl herauszudüfteln.“

Die nächste Meisterschaftsrunde der Kleinfeld-Unihockeyaner findet am 9. Oktober in der Kirchwies in Egg bei Zürich statt.

1. Meisterschaftsrunde, Herren 5. Liga KF, Gruppe 13:

Temporäre Dreifachturnhalle Buchholz, Uster.

1. Spiel 9 Zuschauer, 2. Spiel 11 Zuschauer

Red Devils – UHC Lokomotive Stäfa II 7:6 (4:3 / 3:3)

Tore: 1:0 Rüttimann (Bissig), 1:1 Stäfa, 1:2 Stäfa, 2:2 Bruhin (Rüttimann), 3:2 Bruhin (Rüttimann), 3:3 Stäfa, 4:3 Rüttimann (Bruhin), 5:3 Bruhin (Rüttimann/Auschluss Stäfa), 6:3 Kizkin (Schwyter), 6:4 Stäfa, 6:5 Stäfa, 7:5 Rüttimann (Schwyter), 7:6 Stäfa

Strafen: 2 x 2 Minuten gegen Stäfa

Red Devils – Wadin Knights Wädenswil 14:11 (9:4 / 5:7)

Tore: 1:0 Rüttimann (Bruhin), 1:1 Wädi, 2:1 Bissig, 3:1 Bissig (Bruhin), 4:1 Ermanni (Schwyter), 5:1 Kizkin (Schwyter), 5:2 Wädi, 5:3 Wädi, 6:3 Rüttimann (Bruhin), 7:3 Bruhin (Rüttimann), 8:3 Kizkin (Ermanni), 9:3 Bissig (Rüttimann), 9:4 Wädi, 9:5 Wädi, 10:5 Ermanni (Rüttimann), 11:5 Schwyter (Ermanni), 12:5 Bissig, 12:6 Wädi, 12:7 Wädi, 13:7 Bissig (Schwyter), 13:8 Wädi, 14:8 Schwyter (Ermanni), 14:9 Wädi (Auschluss Bissig), 14:10 Wädi (Ausschluss Kizkin), 14:11 Wädi.

Strafen: 2 x 2 Minuten gegen Red Devils

Red Devils: Locher, Oberholzer; Bruhin, Bissig, Rüttimann; Schwyter, Ermanni, Kizkin.

Bemerkungen: Red Devils ohne Bisig, Fagagnini, M. Züger, R. Züger (alle Abwesend), P. Züger (krank)