«Nervosität ist etwas Positives»

Michael Horath in seinem Element als Schiedsrichter.
Michael Horath in seinem Element als Schiedsrichter. Foto Pascal Müller

Die Red Devils sind in der regionalen Unihockey-Landschaft ein echter Wert. Bei den Referees sind sie erstklassig. Drei Schiedsrichter leiten Spiele auf höchster Unihockey-Stufe. Einer von ihnen: Michael Horath.

Im Februar war es noch Schindellegi, ab März Freienbach. Wir sprechen vom Wohnort von Michael Horath. Der 31-Jährige ist Ende des Monats umgezogen. Sein Job hört sich spannend an. Horath ist Projektleiter im Bereich Marketing beim Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Ausserdem reist Horath gerne, schaut und spielt Eishockey, Badminton und Padel zählt er zu seinen Hobbys, und im Sommer geht er gerne wandern.

Ein Goalie wird Schiedsrichter

Doch bei unserem Treffen steht all dies nicht im Zentrum, sondern die Roten Teufel. Sein Verein, die Red Devils March-Höfe. Seitdem er zwölf Jahre alt war, stand Projektleiter Horath bei den Teufeln im Tor. «Ich habe vorher Fuss-ball gespielt und wollte unbedingt ins Tor. Mich hat gereizt, mich als letzter Mann in die Bälle zu schmeissen. Du kannst der Depp sein, aber auch der Held», erinnert sich Horath. Mit der halben Pfäffiker Schulklasse ist Michael Horath damals nach Altendorf gewechselt. Von den Junioren hat er es bis auf die Ersatzbank in der NLB geschafft. In seiner Spielerkarriere hat der Höfner 2016 einen Ausflug zu den Vipers Innerschwyz gemacht, stand dort mehrere Jahre in der Ersten Unihockey-Liga im Tor. Was braucht ein guter Goalie? «Gute Reflexe und eine dicke Haut. Denn bei keiner Position wird ein Fehler so schnell bestraft», ist Horath überzeugt.

2012 hat Michael Horath erstmals Spiele geleitet. Nur eine Saison, da war er 18 Jahre alt. Der Verein suchte Referees und er hat es einfach mal gemacht. Eine Testsaison. «Ein Jahr war ich Schiedsrichter, es hat mir auch Spass gemacht, aber ich habe dann wieder mehr auf die Karte Spieler gesetzt», verdeutlicht Horath. Vier Jahre später nahm seine Schiedsrichterkarriere wieder Fahrt auf. «Ich wusste, dass die NLB als Spieler nichts mehr wird, da habe ich wieder als Schiedsrichter angefangen», meint Horath. Und ergänzt: «Sehr viele Spieler, die früher Goalie waren, werden Schiedsrichter.»

Ein Schiedsrichter geht seinen Weg

Horath spielte für die Vipers und pfiff für die Devils. Nach einem zweitägigen Regelkurs im Sommer ging es sehr schnell aufs Parkett. Erster Einsatz: Appenzell, U16-C. Tiefer geht nicht. In den Ligen ist Turniermodus angesagt. Vier Spiele musste Horath leiten. «Morgens um 9 Uhr war das erste Match und abends um 17 Uhr die vierte Partie. Das war schon ziemlich anstrengend.» Seit seinem ersten Referee-Einsatz in Appenzell hat der Höfner Unparteiische rund 150 Unihockeyspiele geleitet.

Seit der Saison 2024/25 sind die Niederungen der Schweizer Unihockey-Landschaft nicht mehr Horaths Metier, sondern die Stufe G1, dort sind die höchsten Schweizer Unihockeyligen zusammengefasst: Nationalliga A Herren und Damen sowie NLB und U21-A. «Ich habe in der Nationalliga B und der U21-A angefangen», erklärt der Schiri. «Bin aber auch schon bei den Frauen eingesetzt worden.» 25 bis 30 Spiele kommen zwischen September und April zusammen: Testspiele, Meisterschafts- und Cupspiele. Jonas Brunner heisst der Mann an Horaths Seite. In der dritten Saison pfeifen der 38-jährige Berner Brunner und der 31-jährige Schwyzer zusammen. Eine Saison auf Stufe G2, jetzt G1. «Wir verstehen uns auch neben dem Platz gut, das ist nicht megarelevant für die Spielleitung, aber es hilft», ordnet Horath ein.

MIchael Horath (rechts) mit seinem Schiri-Partner Jonas Brunner (links) vor dem Spiel.
MIchael Horath (rechts) mit seinem Schiri-Partner Jonas Brunner (links) vor dem Spiel. Foto Pascal Müller

Mehr als nur ein Hobby

Das Hobby von Michael Horath ist ein ziemlicher Zeitfresser. Die Unihockeysaison geht über knapp acht Monate. «Pro Woche kann man mit einem Spiel rechnen, manchmal sind es auch zwei», erzählt der Ex-Goalie. «Zurzeit pfeifen wir viele Spiele in Bern. Das bedeutet für mich: zwei Stunden Anreise, 90 Minuten vorher dort sein, zwei Stunden geht der Match, zwei Stunden Rückreise.» Zum Abschluss gibt es noch die Videoanalyse. «Da kommen pro Woche schnell 14 bis 16 Stunden zusammen», schätzt Horath.

Als Unihockey-Schiedsrichter bekommt man auf jeder Stufe eine Aufwandsentschädigung. Es sei sicherlich nicht extrem lukrativ, «aber ein Batzen, der gemessen an der Breitensportart, die wir sind, schon dem Aufwand gerecht wird.» Entscheidungsfreudigkeit und die Zusammenarbeit mit dem Schiedsrichterkollegen und den Spielern mache den Reiz der Aufgabe aus. Als Spieler habe er auf dem Niveau nicht mithalten können, aber als Referee scheint ihm das besser zu gelingen. «Ich habe durch meine Einsätze als Schiedsrichter meine Kommunikationsfähigkeit mit anderen Menschen extrem verbessert. Das hat mir auch in meinem Alltag geholfen», ist Horath überzeugt.

Eine gewisse Anspannung oder auch etwas Nervosität sei immer noch vorhanden. Die Wichtigkeit des Spiels, ein Strichkampf oder auch ein emotionales Derby seien auch als Unparteiischer immer nochmals eine grössere Herausforderung. «Auch viele Zuschauer spielen da eine Rolle. Wenn ich etwas nervös bin, ist das ein gutes Zeichen. Dann weiss ich, ich bin parat. Nervosität ist etwas Positives.» In seinen 150 Spielen musste Schiedsrichter Horath noch nie eine Rote Karte zeigen. Respekt. Aber schwierige Spiele seien schon dabei. Auch Fehler müsse man akzeptieren. «Als Schiedsrichter bist du wie ein Goalie: Du kannst alles richtig machen, aber wenn du einen Fehler machst, dann hast du ein Problem. »

Die Schule fürs Leben

Warum sollte ich als Schiedsrichter einsteigen? Das Amt des Referees sei eine Lebensschule. «Wenn du als junger Schiedsrichter deine Entscheidung vor gestandenen Männern verkaufen musst, lernst du etwas für dein Leben», zeigt Horath auf. Die Kurzfassung: Entscheidungssicherheit, Kommunikationsfähigkeit und Körpersprache würden extrem verbessert. Zudem unterstütze man auch seinen Verein. «Ausserdem bietet das Schiedsrichterleben tolle Optionen. Ich konnte Ende des Jahres in Leipzig und München zwei Bundesligaspiele leiten.»